Hätt-i, war-i

Hätte ich dieses Jahr die Möglichkeit, wäre ich wohl beim heute stattfindenden Kärnten Läuft Halbmarathon meine bisher beste Zeit bei dem Wettbewerb gelaufen. Das behaupte ich jetzt einfach mal so. War ich in den vergangenen Jahren im Frühjahr immer sehr motiviert, so ließ diese Motivation stark nach sobald es wärmer wurde und daher war meine beste Zeit hier um die 2.05 Stunden oder so. Jedenfalls relativ weit über der 2 Stunden Marke (einst war ich sogar heute noch stolzer gesamt 3. Letzter). Heuer, das traue ich mich zu behaupten, hätte das anders ausgesehen und ich hätte die 2 Stunden Marke auch hier endlich geknackt. Ist aber leider nicht. Vielleicht nächstes Jahr. All meinen Freunden und Bekannten, die heute aber am Start sind, wünsche ich alles Gute für die 21.1km.

Ich selbst habe heute schon einen abwechslungsreichen 15.5km Lauf hinter mich gebracht. Abwechslungsreich bzw. spannend waren vor allem die ersten 3 Kilometer. Am ersten Kilometer bei relativer Finsternis war ich komplett alleine unterwegs. Da war niemand ausser mir, dem Wind und dem Meer (heute Nacht hatten wir noch wildes Wetterleuchten und heftigen Sturm).

Am zweiten Kilometer begegneten mir die ersten Menschen. Einige von Ihnen wohl gerade erst am Weg von der Party nach Hause…

Der dritte Kilometer gestaltete sich dann so richtig spannend. Ich musste mal eine Toilette suchen. Da denkt man sich, das sollte ja kein Problem sein, sind ja eh alle 50-100 Meter Toiletten entlang der Spiaggia. Ja, eh – aber alle zugesperrt. So frage ich in meiner Verzweiflung einen scheinbaren Sicherheitsbeamten, ob er einen Schlüssel hat, „because they are all closed“. Nein, hat er nicht. In ein Hotel frage ich hinein zur Putzfrau, ob ich kurz auf die Toilette dürfte. „…un albergo, non possibile…“ oder so ähnlich durfte ich mir, trotz Verzweiflung in den Augen anhören. Da habe ich mir schon überlegt, das große Wasserklosett links von mir aufzusuchen. Aber nein, das gibt’s ja nicht, dass mich da nicht einer rein lässt. Also nächste Chance: wieder ein Hotel, wo der Portier in Hemd und Krawatte in der Küche gerade Croissants in den Ofen schiebt – und siehe da, er zeigt mir den Weg zur Toilette und hilft mir armen verzweifelten Tropf. Puh, das war knapp. Aber, dass es so schwierig sein würde, damit habe ich beim besten Willen nicht gerechnet.

Am WC entdecke ich auch ein weiteres Ausrüstungsproblem, das für meine aktuell heftig von Reibestellen geröteten Oberschenkel erklärt. Meine super-leichte, extra lässige Adidas Laufhose hat die Strapazen der letzten paar Hundert Kilometer nicht mehr vertragen und ist durchgewetzt. Dadurch hat mein Oberschenkel gerieben und deshalb bin ich so rot. Aha, alles klar.

Dieser WC Besuch hat sich wenigstens ausgezahlt: eine spannende Geschichte der Herbergssuche, eine Ausrüstungspanne… fehlt nur mehr die kurze Geschichte über das Weiterlaufen. Denn als ich dann bei km 3 wieder auf die Spiaggia einbiege, ist ein Läufer ganz knapp vor mir. Ich setze zum Überholen an und laufe ein bisschen neben ihm. Bis ich merke, dass ich ein wenig schnell unterwegs bin; bestätigt von meiner Uhr breche ich den Überholvorgang ab und lasse den momentanen „Rivalen“ ziehen. Aber ich behalte ihn schon irgendwo im Auge und am Wendepunkt beim Leuchtturm hole ich ihn wieder ein – nicht weil ich schneller geworden wäre, sondern weil ich konstant geblieben bin.

Den Rückweg laufe ich heute nicht wieder einfach dem Meer entlang zurück, sondern entscheide mich für die abendlichen Vergnügungsmeilen durch die Stadt. Da habe ich dann fast Premantura-Feeling, da der Sturm von vergangener Nacht die Piniennadeln von den Bäumen geblasen hat und die jetzt dick auf der Straße liegen. (Riechen tun sie trotzdem nicht…) Ich laufe übrigens am Fahrradstreifen, weil der eben asphaltiert ist im Gegensatz zu unebenen Pflastersteinen am Gehsteig. Ein entgegenkommender Läufer ganz am Beginn der Straße hat mich darauf gebracht, denn er hat auch diesen Weg gewählt.

Nach 15.5km bin ich dann wieder beim Hotel angekommen. Am Zimmer habe ich von Strava erfahren, dass ich mich scheinbar mit „Gianluca Rui“ gematcht habe. Diese Technik ist schon faszinierend… Erkennt, dass wir beide zur selben Uhrzeit die gleiche Strecke gelaufen sind und weist uns darauf hin. Echt spannend.

Morgen steht dann wieder ein „Pause“-Tag an – ich hoffe, ich starte wieder rechtzeitig in den Tag, damit der kurze Regenerationslauf nicht wieder stressig wird. Übrigens gab es heute Nacht auch ein wenig Kinder Stress, Peter ist um 4 Uhr zu uns gekommen – es war also wieder eine kurze Nacht 😉

Der Relive inklusive ein Paar Fotos.

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